Das Wörterbuch der Branche

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Fachsprache im Werbeartikel-Handel

Das Wörterbuch der Branche

Neun Fachbegriffe aus Druckerei und Lager, die den Angebotspreis mitbestimmen

Ein Angebot für Werbeartikel enthält selten nur Preise und Mengen. Sobald Veredelung oder eine größere Auflage im Spiel sind, tauchen Begriffe auf, die in der Druckerei oder in der Produktion alltäglich sind, in Ihrem Unternehmen aber selten fallen. Ein Satz zur Freigabe, ein Hinweis auf eine mögliche Abweichung zwischen zwei Lieferungen oder eine Klausel zu den Transportkosten wirkt dann technisch, ohne dass sofort klar wird, was davon abhängt. An genau diesen Stellen steckt häufig eine Entscheidung, die sich später im Preis oder im Liefertermin niederschlägt, auch wenn der Satz selbst unauffällig bleibt. Wer eine solche Stelle überliest, verliert den Maßstab, an dem sich das nächste Angebot messen lässt.

Lesezeit ca. 6 Minuten · 30. Juli 2026

Aus der Druckerei

Sobald ein Motiv veredelt statt nur aufgeklebt wird, hängen die Kosten stark davon ab, welches Verfahren die Druckerei für die vorliegende Vorlage wählt, unabhängig von der reinen Artikelgröße.

Klischee

aus dem Französischen

Für ein zweifarbiges Logo im Tampondruck lassen wir zwei Klischees ätzen, weil jede Farbe eine eigene Platte braucht, die einzeln gefertigt und in die Maschine eingespannt wird. Dieser Mehraufwand erklärt einen Preisunterschied, der auf den ersten Blick nichts mit der Artikelgröße zu tun hat, sich aber direkt aus der Anzahl der Farben ergibt. Der Name stammt aus dem Französischen: clicher bedeutete ursprünglich abklatschen, ein Motiv unverändert und beliebig oft zu wiederholen, dieselbe Grundidee, die auch der umgangssprachlichen Redewendung zugrunde liegt. Bei mehreren Klischee-Positionen in einem Angebot lohnt sich ein Blick darauf, ob sich die Farbanzahl im Motiv reduzieren lässt, bevor der Preis zur Verhandlung steht.

Andruck

aus dem Druckwesen

Vor einer größeren Auflage fertigen wir zunächst ein einzelnes bedrucktes Blatt oder Musterstück zur Freigabe an, den sogenannten Andruck, während die eigentliche Serie erst danach als Fortdruck läuft. Nach erteilter Freigabe wird eine spätere Korrektur ungleich teurer, weil die Maschine dann bereits für die volle Menge eingerichtet ist. Für die Farbabweichung zwischen Vorlage und Andruck gilt nach ISO 12647-7 im Durchschnitt ein Delta-E-Wert von höchstens 3, den wir mit Auge und Spektralfotometer prüfen. Diese Grenze zeigt, wie eng die Toleranz tatsächlich gefasst ist. Bei sehr kleinen Auflagen lohnt sich ein eigener Andruck kaum, weil das Einrichten der Maschine dafür länger dauert als der Druck selbst.

Umdruck

klassische Übertragungstechnik

Der Begriff wird in der Praxis oft mit Siebdruck verwechselt, meint aber ein eigenes Verfahren. Wir drucken das Motiv zunächst auf eine Trägerfolie und übertragen es erst anschließend mit Hitze und Druck auf den eigentlichen Stoff. Deshalb eignet sich Umdruck besonders für kleine Textilauflagen, bei denen der Rüstaufwand für einen Siebdruck kaum im Verhältnis zur Stückzahl stünde. Ursprünglich bezeichnete das Wort ein älteres grafisches Verfahren, bei dem eine Zeichnung von Papier auf Stein oder Metall übertragen wurde, um daraus eine neue Druckplatte herzustellen. Das eigentliche Druckbild entsteht also nicht direkt auf dem Artikel, sondern über ein zwischengeschaltetes Trägermaterial, ein Unterschied, der bei der Wahl des Veredelungsverfahrens für kleinere Stückzahlen relevant wird.

Standfarbe

aus der Druckmesstechnik

Bei mehrfarbigen Drucken legen wir eine Farbe, meist Schwarz, weil sie den stärksten Kontrast liefert, als Bezugspunkt für die Farbregistermessung fest. Jede andere Farbe wird an dieser sogenannten Standfarbe ausgerichtet, die dadurch die Nullposition im Register bildet. In Reihen-Druckmaschinen sitzt sie meist im ersten Druckwerk, wo sich das Register am wenigsten nachstellen lässt, weil sich die folgenden Druckwerke an ihr orientieren müssen. Diese Festlegung wird erst dann relevant, wenn eine Farbabweichung reklamiert wird. Ob die Standfarbe selbst exakt sitzt, entscheidet dann mit darüber, ob sich die übrigen Farben in einer Reklamation überhaupt korrekt beurteilen lassen, bevor diese Aussicht auf Erfolg haben kann.

Standbogen

aus der Druckvorstufe

Ein falsch platziertes Element im Standbogen überträgt sich auf die gesamte Auflage, weil jeder Druckbogen anschließend nach demselben Muster geschnitten und gefalzt wird. Im Standbogen legen wir vor Produktionsbeginn die genaue Position jedes Elements auf dem Druckbogen fest, Motive, Texte, Schnittmarken und Falzlinien eingeschlossen. Ein solcher Versatz zeigt sich meist erst am fertigen Artikel, wenn keine Korrektur mehr möglich ist. Bei Artikeln mit mehreren bedruckten Seiten oder Flächen werfen wir deshalb vor der endgültigen Freigabe noch einmal einen Blick in den Standbogen. Bei mehrteiligen Sets, deren Elemente exakt zueinander passen müssen, wirkt sich ein solcher Fehler besonders deutlich auf das Gesamtbild aus.

Aus Produktion und Qualitätssicherung

Läuft die Produktion einmal an, verschiebt sich die Kontrolle von der Freigabe auf dem Papier zur Prüfung am tatsächlich gefertigten Stück, weshalb sich hier zeigt, ob eine Lieferung wirklich der vereinbarten Vorgabe entspricht.

Anlaufmuster

aus der Fertigungskontrolle

Bei einer Produktionszeit von 48 Stunden nach Druckfreigabe, wie sie bei einer Express-Bestellung üblich ist, bleibt für einen Kontrollschritt kaum Spielraum, den wir trotzdem nicht überspringen: das Anlaufmuster. Anders als der Andruck entsteht es nicht vor, sondern erst mit dem Beginn der eigentlichen Produktion, weil wir es aus der bereits laufenden Maschine ziehen. Bei einer Prägung oder Gravur prüfen wir daran beispielsweise die Prägetiefe, bevor die restliche Menge unbeaufsichtigt weiterläuft. Sitzt die Tiefe zu flach, justieren wir nach und ziehen ein neues Muster, bevor die übrige Auflage fortgesetzt wird. Jede Verzögerung an dieser Stelle wirkt sich deshalb unmittelbar auf den Liefertermin aus, gerade weil die Zeitspanne bis zur Auslieferung von Anfang an knapp bemessen ist.

Chargenschwankung

aus der Produktionslogik

Bei einer Nachbestellung kann die Farbe eines Artikels einen Hauch heller oder dunkler ausfallen als bei der ersten Lieferung, obwohl beide Male dieselbe Spezifikation zugrunde lag. Das liegt daran, dass Kunststoffgranulat oder Papier von Fertigungscharge zu Fertigungscharge minimal variieren, auch wenn die Rezeptur gleich bleibt. Eine Charge bezeichnet dabei die Menge, die in einem Arbeitsgang aus denselben Rohstoffen entsteht und eine eigene Nummer erhält. Damit sich eine solche Chargenschwankung im Streitfall einordnen lässt, legen wir bei größeren Serien ein Rückstellmuster der ersten Lieferung zurück, an dem sich eine spätere Abweichung nachvollziehen lässt. Liegt die Abweichung innerhalb der vereinbarten Toleranz, ist sie kein Reklamationsgrund, auch wenn sie beim direkten Vergleich der beiden Lieferungen sichtbar bleibt.

Aus Einkauf und Lager

Manche Preisunterschiede zwischen zwei Angeboten entstehen erst durch die Bedingungen, zu denen geliefert oder verteilt wird, obwohl der Artikel selbst identisch bleibt.

Frei Haus Lieferklausel im Handel

KlauselTransportkostenWirkung auf den Angebotsvergleich
Frei Haus im Preis enthalten, keine separate Berechnung Endpreis ist direkt vergleichbar
Ab Werk separat, vom Empfänger zu tragen Endpreis erst nach Aufschlag der Fracht vergleichbar

Ein Vergleich zweier Angebote allein anhand des Endpreises kann durch eine Lieferklausel verzerrt werden, die auf den ersten Blick nicht ins Auge fällt. Ein Angebot ab Werk wirkt zunächst günstiger, bis die Fracht hinzukommt und den vermeintlichen Preisvorteil aufzehrt. Unterhalb einer bestimmten Bestellmenge übersteigen die Frachtkosten häufig den Vorteil, den eine Frei-Haus-Klausel bedeuten würde, weshalb kleinere Bestellungen in der Praxis eher ab Werk kalkuliert werden. Bei größeren Mengen verschiebt sich diese Rechnung, weil die Frachtkosten pro Stück sinken und eine Frei-Haus-Klausel für den Lieferanten kalkulierbar bleibt. Ein Blick auf die zugrunde liegende Klausel lohnt sich deshalb vor jedem Vergleich zweier Endsummen, weil sich sonst zwei technisch unterschiedliche Preise gegenüberstehen.

Streuware

aus dem Vertrieb

Ein Artikel, der in großer Stückzahl breit verteilt wird, etwa auf einer Messe oder bei einer Aktion, ohne dass die Auswahl auf einzelne Empfängerinnen und Empfänger zugeschnitten ist, gilt als Streuware. Der Begriff ist zunächst wertneutral gemeint. In der Praxis schwingt dennoch häufig ein leicht abwertender Unterton mit, sobald die Auswahl eher lieblos als bewusst zum Anlass passend wirkt. Der Unterschied zum Werbegeschenk zeigt sich vor allem in der Absicht dahinter: Streuware soll möglichst viele Kontakte erreichen, ein Werbegeschenk eine einzelne Beziehung pflegen. Bei einem Fachpublikum mit wenigen, namentlich bekannten Ansprechpartnern zählt die einzelne Geste stärker als die Zahl der verteilten Stücke, weshalb sich Streuware für diesen Rahmen seltener eignet.

Größere Stückzahlen lassen sich preisbewusst im Bereich günstige Werbeartikel zusammenstellen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung im Fachjargon der Werbeartikel-Branche. Die genannten Begriffe und ihre Herkunft geben die in der Praxis gebräuchliche Bedeutung wieder; regionale oder betriebsinterne Abweichungen in der Verwendung sind möglich.

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